Wahrhaftige Verbindung in der Partnerschaft

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Wahrhaftige Verbindung entsteht, wenn unsere Selbstliebe und Selbstmitgefühl auf Dasselbe in Menschen ähnlicher Werte trifft. Wahrhaftig meint in unserem ganz persönlichen Sinne, mitfühlend, verletzlich, authentisch, auf Seelenebene erfahrbar und tief verbunden.

Foto: Timo Stern

Was wird alles möglich, wenn wir uns auf die Herzensgüte von unserem Partner einlassen und vertrauen?

Letztlich ermöglicht uns unser Partner uns wahrhaftig selbst zu sehen, mit allen Prägungen und Überzeugungen. In dem Licht des anderen können wir uns ER-kennen. Wir könnten dies auch alleine, aber im Austausch mit dem Partner und seinem System kommen die eigenen Prägungen und Überzeugungen, Ängste zuweilen in rasanter Geschwindigkeit ans Tageslicht. Wir lernen uns selbst 

(1) zu verstehen, 

(2) zu akzeptieren und 

(3) uns sanftmütig unseren eigenen Themen zu widmen. 

In der Therapie und der Achtsamkeitsbewegung sind hier ganze Konzepte, Theorien und Kurse nachzulesen: Nämlich nicht mehr und nicht weniger als das Konzept der Selbstliebe und vielmehr des Selbstmitgefühls. Ob in einem Kurs erlernt und erfahren oder in liebevoller Verbindung erspürt: Durch Selbstmitgefühl kann Selbstliebe erst entstehen, von hier erst sind wir offen uns selbst gegenüber und können auch erst den anderen in Mitgefühl annehmen, genau so wie er oder sie ist, mit allen Konzepten, Prägungen, Färbungen.

Wir sind erstaunt wie viel und weit wir wachsen mit uns selbst, über uns selbst und schließlich zusammen. Wenn beide in der Essenz von Liebe in sich Einkehr finden. Dann schwingen diese Essenz zusammen. Und wir dürfen diesem Tanz und Fluss der Herzen folgen.

Sichtbar wird unser dunkles Inneres in seiner Prägung und Färbung, wenn wir Wesenszüge oder flüchtige Handlungen gegenseitig einordnen, bewerten, ablehnen, halten wollen. 

Nichts anderes als eine Einladung zum Ankommen in unseren eigenen Wesenszügen mit all den Bedürfnissen und Ängsten, die diesen zu Grunde liegen. Deshalb kann Liebe Heilung stiften. Durch Selbstliebe entsteht ein Raum für Liebe. Ankommen im zu-Hause, um sich gegenseitig im Entfalten, Wachsen und in der eigenen Lebendigkeit begleiten zu dürfen.

Die Intimität des Austauschs

Die Intimität im gegenseitigen Austausch bietet den Nährboden, das Fundament des lebendigen Zusammenseins.  

Austausch und Verbundenheit 

im Ansehen, 

im Zuhören, 

im Sprechen, 

in der Berührung, 

in der Stille, 

in der Ekstase, 

im Sehen, 

im einfach da sein.

Charlotte Witzlau

Die Intimität des Austausches mit meinem Partner

  1. Wie oft und wie intensiv schaust Du Deinen Partner an?  Kannst Du ihn jedes Mal neu (an)sehen?
  2. Wie oft und intensiv kannst Du Zuhören

  3. Wie intensiv und tief verbunden sprecht ihr, gerade wenn der Alltag turbulent oder einseitig ist? (siehe weiter unten #Zwiegespräch)

  4. Wie oft berührt ihr Euch im Alltag? Ein Streicheln, in den Arm nehmen, ein Hand-in-Hand sein, ein aneinander gelehnt sein, ein berührender Blick oder Lächeln, ein Kuss, ein Halten des Kopfes des anderen, eine Umarmung, …

  5. Verbringt ihr zusammen Stille, wo ihr einfach zusammen da seid? Nach einem Gespräch, in einem intimen Moment, in der Natur, in der Beobachtung der Kinder, am Morgen und am Abend.

  6. Wie sehr lebt und genießt ihr die Ekstase im gemeinsamen Rhythmus? Der Rhythmus, der entsteht, einfach so, weil die Hingabe den Kopf, die Kontrolle, den Alltag ablöst.

  7. Wie tief siehst Du (in) den anderen mit all seinem Leid, seinen Bedürfnissen und seinen wertvollen Seiten? Hier zu gehört auch die Frage wie sehr Du Dich selbst sehen im Sinne von achten kannst und Deine eigenen Bedürfnis-Grenzen wahrst?

  8. Wie sehr kannst Du einfach mit Deinem Partner sein ohne etwas zu tun, bewirken, ändern zu müssen? Sind diese Momente ohne etwas Zusätzliches (Drinks, Essen, besondere Orte, Setting) möglich? Nehmt ihr Euch den Raum für pure/ puristische Zweisamkeit? 

Jeder neuen Qualität geht eine innerliche Entscheidung voraus. Willst Du etwas ändern, dann werde Dir genauestens bewusst was der erwünschte Zielzustand ist und was es dafür braucht. Triff (diese) eine Entscheidung.

Charlotte Witzlau

Empfehlungen für eine lebendige Partnerschaft und tiefe Verbindung

Foto: Alise Storsul

Über das Thema der Liebe gibt es unzählige Abhandlungen, Bücher, Kurse. Letztlich darf jeder seinen ganz eigenen Weg zu sich finden und sich somit ganz bewusst hin zu oder bewusst weg vom Partner bewegen. Gerne möchte ich einen Buchtipp und verschiedene systemische Coachingansätze teilen, die ich für besonders wertvoll erachte.

# Das Zwiegespräch

Das Zwiegespräch habe ich  vor ca. zehn Jahren bei der wunderbaren Paartherapeutin Ankha Haucke aus Köln kennengelernt und begonnen umzusetzen. Erst als ich sie hier verlinkt habe, sehe ich, dass sie denselben Buchtipp “Die Wahrheit beginnt zu zweit” gibt, wie ich ihn auch schon in meiner Coaching Ausbildung bekommen habe und das Buch inzwischen immer selbst im Gepäck bei meinen Retreats habe.

Für mich ist dieses einfache Werkzeug des Zwiegesprächs eines der kraftvollsten und wertvollsten in der Paararbeit. Wir teilen uns dem anderen in einem geschützten und regelmäßig wiederkehrenden Rahmen mit. Wir sprechen über uns, teilen unsere Wünsche, Sorgen, Befürchtungen, Freuden, letztlich unsere Gedanken und Gefühle mit. Das Zwiegespräch ist nicht zu verwechseln mit einem Weekly, um den platzenden Kalender zu besprechen und to dos zu verteilen 🙂 Bestimmt auch (mal) dienlich, aber darum geht es hier nicht.

REGELN

Wir sprechen nach den Regeln der gewaltfreien Kommunikation (Rosenberg) nur über uns, nicht über den anderen. Gleichwohl beziehen wir den anderen natürlich ein, indem wir Situationen mit dem anderen beschreiben und wie es UNS dabei erging, was wir uns von dem anderen wünschen oder gewünscht hätten. Wir dürfen Bitten und Bedürfnisse kommunizieren. Im eigenen Aussprechen und “Bezeugen” wird uns darüber hinaus meist einiges für uns selbst klarer und deutlicher. 

Der andere hört zu, unterbricht nicht und darf seine Redezeit nutzen, um darauf einzugehen. Er kann, muss aber nicht auf das Gesagte eingehen. Wichtig ist, dass die festgelegte Zeit eingehalten wird. Wenn die Zeit noch nicht vorbei ist, kann man in Stille verweilen. Im Respekt gegenüber dem anderen wird die Zeit auch strikt eingehalten und nicht überzogen. Von Zeit zu Zeit wird man sehr vertraut mit der Technik und auch mit dem Mitteilen der eigenen Gefühle und darüber hinaus auch mit der Wahrnehmung dazugehöriger Körperempfindungen beim Aussprechen der Gefühle. Wir werden uns selbst intensiver gewahr.

Durchgänge

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Durchführung: Ich persönlich mag den Takt von min. zwei Durchgängen à 15 Minuten für jeden Partner im Wechsel. Beispiel: Sie spricht 15 Minuten – Er spricht 15 Minuten – Sie spricht 15 Minuten – Er spricht 15 Minuten

Auch drei Durchgänge können sehr wirkungsvoll sein (Hier wäre jeder 3x 15 Minuten dran). Das nächste Mal kann der jeweils andere beginnen oder es beginnt wer möchte. 

Dauer und Rhythmus: 

Der Rhythmus sollte wöchentlich möglichst zu einer festen Zeit sein. Das Zwiegespräch kann ein fester Bestandteil der Paarkommunikation werden und nicht nur in herausfordernden Zeiten genutzt werden. In leichten und beschwingten Phasen können diese Gespräche ebenfalls sehr verbindend, humorvoll oder geprägt von der Lust und Freude über neue gemeinsame Projekte sein.

Setting

Dies ist ganz individuell zu entscheiden. Viele Paare sitzen gemeinsam an einem ungestörten Ort, oder essen dabei gemeinsam oder liegen schon im Bett. Ich persönlich mag es, wenn es keine Ablenkungen durch Essen, Musik oder Umgebung gibt.  

Die Wahrheit beginnt zu zweit. Bestellung und Leseprobe hier beim Rowohlt Verlag.

«Eigentlich wollten wir einfach glücklich sein, aber wir konnten nicht miteinander reden.» Dieser Satz eines Paares, das sich trennte, ist der typische Abgesang auf die heute allseits belasteten Beziehungen. In Paarbeziehungen wird oft zu wenig miteinander gesprochen. Der Psychoanalytiker und Bestsellerautor Michael Lukas Moeller hat das früh erkannt und durch seine Arbeit zahlreichen Paaren zu neuem Glück in der Partnerschaft verholfen. «Die Wahrheit beginnt zu zweit» eröffnet Paaren (und nicht nur ihnen) mit Hilfe einfacher, aber erprobter Regeln die Möglichkeit, offene und ehrliche Zwiegespräche zu führen, die es ihnen gestatten, das gemeinsame Leben und Glück in der Partnerschaft auf Dauer selbst in die Hand zu nehmen. Das intensive Gespräch hat viele Paar-Leben tiefgreifend verändert. Ein Paar: «In den letzten drei Monaten mit Zwiegesprächen haben wir mehr voneinander erfahren als in zehn Ehejahren vorher.»

# Systemisches Coaching

Systemtisches Coaching bietet neben der klassischen Paartherapie vielfältige Interventionen, um auch oder zunächst sich selbst auf die Spur zu kommen. Auf allen Ebenen, nämlich des Verstehens, des Erkennens durch Fühlen und des Aktivieren der inneren Ressourcen ermöglicht systemisches Coaching nicht nur das Begreifen, warum sich eine bestimmte Dynamik in der Paarbeziehung zeigt und problematisch empfunden wird. Vielmehr wird der Fokus auf das gelenkt, was zunächst einmal selbst veränderbar ist. Bei sich beginnen und vertrauen, dass dies das gesamte (Paar)system ändern wird… 

Für alle diejenigen die jedoch eine wunderbare Paartherapeutin in Berlin suchen, empfehle ich wärmstens die Psychologin Paulina Senf.

Wir können den anderen nicht ändern, aber wir sind eingeladen uns selbst anzunehmen, zu halten, zu akzeptieren, zu lieben und sanftmütig in uns selbst zu landen. Von hier sind wir tief gehalten, um den anderen zu empfangen mit demselben Leid, das wir doch für uns selbst auch erst lernen durften zu akzeptieren und zu transformieren. Von hier ist Selbstliebe der Raum, der es möglich macht in tiefe Verbindung zu gehen, ganz und gar lebendig zu (zweit) zu SEIN und genauso mühelos Grenzen zu setzen.

Charlotte Witzlau

Beispiele für Coaching Ansätze

Wertearbeit

In der Arbeit mit Werten bekommen wir einen direkten Zugang zu dem was uns essentiell im Leben, in der Partnerschaft, im Alltag mit uns und unserer Mitwelt wichtig ist. Wir erfahren mehr über unsere Bedürfnisse und schaffen somit Klarheit über das was wir geben und nehmen wollen. Wie vielen Paaren ist klar, was die Werte des anderen sind, welche Bedürfnisse daraus ganz praktisch entstehen und was dieses Wertekarussell für das Zusammenleben bedeutet? Eine wunderbare Gesprächsgrundlage.

Einzelaufstellung

In der Einzelaufstellung (zum Beispiel mit Zetteln, Gegenständen oder Figuren) schauen wir uns die Dynamik und Wechselbeziehungen von Themen, Personen, eigenen Überzeugungen und inneren Anteilen an, die in ihrer Gesamtheit unsere “Wahrheit” ergeben, mit der wir dem anderen Gegenübertreten. Diese Welt ist meist weitaus unterbewusster und damit nicht weniger komplex als wir es vermuten würden. Wir schaffen Klarheit was in und um uns zusammen oder gegeneinander wirkt und wir wir uns “neu aufstellen” können, damit wir uns selbst und dem anderen so gegenüber treten können wir wir es uns eigentlich (bewusst) wünschen.

Teilearbeit

Die Arbeit mit inneren Anteilen, inneren Stimmen und die Erarbeitung von Werkzeugen für den konstruktiven Umgang mit diesen inneren Anteilen in bestimmten, wiederkehrenden Trigger Situationen gehören zu meinen favorisierten Interventionen in der gesamten Interventionspalette. Die Arbeit ist bei Paarkonflikten deshalb so wertvoll, weil klar wird, dass womöglich eigene nicht akzeptierte Anteile wirken oder gar die Dirigentschaft über uns übernommen haben. Diese Anteile, wenn Sie nicht liebevoll mit ihrer positiven Absicht eingeladen werden, wieder auf dem für sie am besten geeigneten Stuhl Platz zu nehmen, können eine große Rolle dabei spielen, den anderen mit oftmals gegenteiligen Anteilen anzunehmen. Ein anderer Aspekt könnte das Verhalten des anderen auf unsere Anteile sein. 

Schaffen wir es die Perspektive zu unserem Thema zu verändern, weil Arbeit mit inneren Anteilen auf direktem Wege ermöglicht, haben wir bereits den so wichtigen Schritt vom Problem- in den Lösungsraum geschaffen.

Es gibt zahlreiche weitere Interventionen und Kombinationsmöglichkeiten von Interventionen, die es ganz individuell zu bestimmen gilt, je nach Dringlichkeit, Anliegen und Tagesform des Klienten/ der Klientin. Bei akuten Konfliktsituationen wird beispielsweise eine andere Intervention viel wirksamer sein, als eine der o.g. Methoden. 

Jedem Coaching geht eine klärende Anliegenschilderung voraus. Mehr zum Coachingprozess hier.

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